Harrlings neue Mitte
Das Dorfhaus stößt mit seiner Architektur auf überregionales Interesse. Segnung am Sonntag 6. September
Es ist ein Ort der Begegnung für die Gemeinde Zandt und die ganze Region. Mehr noch: Aufgrund seiner besonderen Gestaltung stößt das Gebäude bayernweit auf großes Interesse: Bei den Architektouren 2026, der großen Leistungsschau der Baukultur im Freistaat, wurde das Dorfhaus einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Am kommenden Wochenende nun findet die offizielle Einweihung statt. Der Entwurf für das Dorfhaus stammt aus dem Bad Kötztinger Architekturbüro Schnabel und Partner. „Für uns ist das eine große Auszeichnung“, bewertet Geschäftsführer Markus Weber die Teilnahme an den Architektouren.
Ausgangspunkt für den Bau des Dorfhauses war die Stilllegung des Harrlinger Bades. In den Jahren 2024 und 2025 ist auf dem ehemaligen Badgelände ein Gemeinschaftshaus mit Dorfplatz und Freispielflächen entstanden. Die Planungen liefen bereits seit 2020. „Die Frage war damals: Was braucht das Dorf? Deshalb haben wir das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde entwickelt“, blickt Markus Weber zurück. „Erfreulich war vor allem, dass wir rechtzeitig für das Gründungsfest der Feuerwehr fertig waren. So war das Dorfhaus gleich in den Festablauf eingebunden.
Eine markante Holzfassade
Die besondere Atmosphäre des Gebäudes entstehe durch die leimfreie Massivholzbauweise und die markante Holzfassade mit ihrer charakteristischen Rautenstruktur. Je nach Lichteinfall wirke die Fassade unterschiedlich und verleihe dem Haus eine lebendige, unverwechselbare Identität. Großzügige Verglasungen öffnen den Innenraum zur Umgebung und lassen Innen und Außen zu einem Raum verschmelzen, so Weber.Das Gebäude umfasst im Erdgeschoss einen Versammlungsraum für knapp 90 Personen, eine Küche sowie eine öffentliche Toilettenanlage inklusive barrierefreiem WC. Daneben bietet das Obergeschoss Archiv- und Lagerflächen für Vereine sowie Flächen für Technikräume. Das Obergeschoss ist für Betreiber und Vereine über eine Treppe im Lagerbereich erreichbar und somit für Besucher normalerweise nicht zugänglich.
Weitere Details der Planung
Um den Veranstaltungsstadl mit seinen überdachten Freibereichen herum gliedern sich ein Dorf-, Spiel- und ein Parkplatzbereich sowie naturnah gestaltete Freiflächen an. Der Parkplatzbereich umfasst acht Stellplätze, die über die bereits bestehende Zufahrt an der Dorfstraße erschlossen werden. Im Bereich des Parkplatzes ist auch eine E-Lademöglichkeit vorhanden sowie ein unterirdischer Löschwasserbehälter, der als Ersatz für den bisherigen Löschwasservorrat im Schwimmbecken dient. Zwischen dem Gebäude und dem öffentlichen Straßenraum erstreckt sich eine Platzfläche, die gepflastert wird und auf der Pflanzinseln, Sitzgelegenheiten und ein Wassergrand zum Aufenthalt einladen. Die Platzfläche wurde so geplant, dass dort auch der Bus halten kann und die Schulkinder, getrennt vom restlichen Verkehr, zukünftig sicherer ein- und aussteigen können. Auch ein Maibaumständer wurde eingebaut. Im Zusammenspiel mit dem neuen Gebäude ist ein Dorfplatz für die Feste der Dorfgemeinschaft entstanden. Auf dem restlichen Grundstück werden ein neuer Spielplatz sowie naturnah gestaltete Freiflächen angelegt.
Auch die Freiflächengestaltung greift die Geschichte und den Charakter des Ortes auf. Der ehemals verrohrte Bach wurde in Teilbereichen wieder geöffnet und als natürliches Element in die Außenanlagen integriert. Durch ein zeitweises Anstauen des Wassers entsteht die Möglichkeit zum Kneippen. Wasserspiele nehmen darüber hinaus Bezug auf die frühere Nutzung des Grundstücks und machen das Thema Wasser auf unterschiedliche Weise erlebbar. Ein besonderes Element auf dem Dorfplatz ist der historische Grand, der sich bereits früher vor Ort befand. Er wurde instand gesetzt und an zentraler Stelle wieder in das Dorfbild integriert.
Ein Ort für alle Generationen
Die Außenanlagen wurden naturnah und generationsübergreifend gestaltet. Spielgeräte aus Holz und natürlichen Materialien, altersgerechte Fitnessgeräte sowie ein Atrium bieten Möglichkeiten für Bewegung, Aufenthalt und Begegnung. So entsteht ein Freiraum, der unterschiedliche Altersgruppen zusammenbringt und einen Bezug zum Ort und seiner Geschichte herstellt. Ein Ort für alle Generationen.


Das ehemalige Badgelände
Der Bau des Harrlinger Dorfhauses und seine Vorgeschichte
Der Zandter Ortsteil Harrling hat in den letzten 15 Jahren durch die Schließung der Schule, des Verkaufs des Schulgebäudes und der Stilllegung des Bads wichtige öffentliche Einrichtungen und einen Teil seiner Identität verloren. Gleichzeitig haben in Harrling Neubaugebiete dazu geführt, dass Einwohner hinzugekommen sind. Neben Feuerwehr-, Schützen- und Kriegerverein biete heute die Metzgerei Fleischmann mit Wirtshaus sowie die Bäckerei Schollerer mit Lebensmittelladen Möglichkeiten für soziale Kontakte im Alltag.
Es drohte ein Identitätsverlust
Um einem weiteren Identitätsverlust entgegenzuwirken und Impulse für eine positive wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Dorfgemeinschaft zu geben, hat die Gemeinde das sogenannte „ehemalige Badgelände“ in Harrling wiederbelebt. Bürgermeister Hans Laumer blickt zurück: „Ausgehend von der Kommunalwahl 2020 wurde von den Gemeinderäten der Wählergemeinschaft Harrling und Umgebung eine Bürgerumfrage über die zukünftige Nutzung des bereits seit über zehn Jahren stillgelegten Badgeländes durchgeführt.“ Die Umfrageergebnisse seien sehr unterschiedlich gewesen, die Gemeinde, so Laumer, habe daraufhin einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, mit dem Ziel, einen Konsens zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu erreichen. Neben Vertretern des Gemeinderates und der Ortsvereine seien zu den Sitzungen des Arbeitskreises auch die Grundstücksnachbarn und jeder interessierte Bürger eingeladen worden, um an der Neugestaltung des ehemaligen Badgeländes mitzuwirken. „Zahlreiche Argumente, Ideen, Wünsche und Ansätze wurden damals erörtert. Es kristallisierte sich dann ein Konzept für eine neue Mitte Harrling heraus, das mit der Unterstützung des Architekturbüros Schnabel und Partner erarbeitet wurde“, berichtet Laumer.
Die Planung für die „Neue Mitte Harrling“ habe im Wesentlichen einen zentral auf dem Grundstück gelegenen Veranstaltungsstadl vorgesehen, in dessen Umfeld sich ein Dorf-, Spiel- und ein Parkplatzbereich sowie naturnah gestaltete Freiflächen angliedern. Dadurch sollen nicht nur gut nutzbare Flächen für Vereinsveranstaltungen wie das Maibaumaufstellen, den Christkindlmarkt oder das jährliche Grillfest zur Verfügung gestellt werden, sondern auch ein breites Angebot für möglichst viele verschiedene Alters- bzw. Interessengruppen geschaffen werden. „Aus diesem Konzept ist dann Realität geworden, was uns heute sehr freut“, sagt der Zandter Bürgermeister.Am Sonntag wird gefeiertAm Wochenende soll daher kräftig gefeiert werden. Am Sonntag, 6. September, findet ab 9 Uhr ein Stehempfang mit anschließender Segnung des Dorfhauses statt.

Daten und Fakten
Projektname: Neue Mitte Harrling; Neubau eines Veranstaltungsstadls inkl. Dorfplatz, Schulbushaltestelle und Kinderspielfläche
Planung: Architekturbüro Schnabel und Partner, Bad Kötzting
Endgültige Beschlussfassung im Gemeinderat: 21.3.2024
Baugenehmigung: 21.6.2024
Baubeginn: Juli 2024
Hebefeier: 11.9.2024
Nutzungsaufnahme: Juli 2025 zum 150-jährigen Gründungsfest der Feuerwehr Harrling
Fertigstellung Außenanlagen: Oktober 2025
Gesamtkosten: 2,8 Millionen Euro, davon ca. 1,5 Millionen Euro Bauwerk, ca. 0,8 Millionen Euro Außenanlagen, ca. 0,5 Millionen Euro Baunebenkosten
Förderung durch das Bayerische Bauministerium für den Holzbau (BayFHolz): 74.600 Euro
Förderung durch das Bundesbauministerium für den Neubau eines klimafreundlichen Nichtwohngebäudes (KFW): 100.875 Euro
Förderung durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium im GAP-Strategieplan (ELER): 275.168,40 Euro
Eigenanteil: ca. 2,4 Millionen Euro
Segnungsfeier mit Gottesdienst am Sonntag, 6. September, ab 9 Uhr
Tag der offenen Tür am Sonntag, 6. September, ab 13 Uhr





